BHS-Hessen

 
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Einschulung

Immer mehr Eltern wollen ihre Kinder möglichst früh einschulen

Mit der Einschulung beginnt für Kinder der Ernst des Lebens.

Frankfurt (dpa) Immer mehr Eltern bemühen sich nach Darstellung von Psychologen um eine frühe Einschulung ihrer Kinder. «Sie wollen, dass ihre Kinder in möglichst kurzer Zeit möglichst viel lernen», sagte die Vorsitzende des Berufsverbands Hessischer Schulpsychologen, Claudia Raykowski, in Frankfurt. «Viele Kinder sind aber von ihrer sozial-emotionalen Reife her noch nicht schulreif. Das ist ein zunehmendes Problem.» Während der Leistungsdruck in etlichen Familien deutlich zugenommen habe, könnten andere nicht einmal das Mindestmaß an Unterstützung leisten. «Die Schere klafft immer weiter auseinander.»

Eltern sollten bei der Einschulung auf das Urteil von Schule, Kindergarten und Schulärzten vertrauen und nicht gegen den Rat dieser drei Institutionen entscheiden, riet Raykowski. Die Sorge mancher Eltern, die Grundschulen unterforderten ihre Kinder, hält die Psychologin für unbegründet. Die Schulen könnten genug differenzierte Angebote machen, obwohl der Stand der Schüler zunehmend uneinheitlicher werde. «Manche Kinder können schon lesen und schreiben, wenn sie eingeschult werden, andere haben keine Vorstellung von einem Buchstaben.» Die wachsende Altersspanne in einer Klasse verschärfe diese Uneinheitlichkeit noch.

Kinder seien von sich aus motiviert und könnten sich auch selbst Lernfelder erschließen, unterstrich Raykowski. Die Grundschule sei die Zeit, um Grundlagen zu erwerben. «Dafür kann man sich ruhig Zeit nehmen.» Eine wachsende Zahl von Eltern vergälle ihren Sprösslingen mit «stundenlangen Haus- oder Zusatzaufgaben» schon früh den Spaß. «Das Wichtigste ist aber, dass die Lust am Lernen erhalten bleibt.»

Kinder brauchen nach Auffassung der Psychologin außerhalb der Schule Zeit, sich selbst zu überlegen, was sie machen. Eltern sollten zwar auf die Stärken und Interessen ihres Nachwuchses achten, ihn aber nicht mit fünf festen Veranstaltungen pro Woche überfordern. «Ein bis zwei Termine sind ausreichend.» Raykowski warnte Eltern davor, jede Schulschwierigkeit und jeden Frust ihrer Kinder vermeiden oder regeln zu wollen. Sie sollten den Kleinen vielmehr klar machen, dass es Konflikte gibt und diese auch bewältigt werden können.

Erstklässler bräuchten allerdings noch die Unterstützung ihrer Eltern. Diese sollten sich daher von Anfang an um eine gute Beziehung mit der Schule bemühen und darauf achten, dass ihr Kind ausgeschlafen zum Unterricht geht, alle Materialien hat und die Hausaufgaben macht. «Ihr Kind wird auf jeden Fall von einer guten Kommunikationsbasis mit der Schule profitieren.»