BHS-Hessen

 
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Redebeitrag Fr. Goldacker

Redebeitrag von Frau Goldacker auf der 50 Jahr Feier -
Vorsitzende des Landeselternbeirats

Sehr geehrte Frau Ministerin,
sehr geehrter Herr Präsident
sehr geehrter Herr Franz,
meine sehr geehrten Damen und Herren,


Heute gibt es ein Jubiläum zu feiern! 50 Jahre Schulpsychologie in Hessen.

Jubiläen sind immer dazu da, fröhlich zu sein, positiv in die Zukunft zu schauen und nach Möglichkeit sich nicht anmerken zu lassen, dass hinter einem solchen Jubiläum Arbeit steckt.

Ich meine hiermit nicht nur die sicherlich höchst anerkennenswerte Arbeit der Vorbereitung dieser Jubiläumsveranstaltung. Ich meine die Arbeit, die in den letzten 50 Jahren die Schulpsychologen und natürlich auch Psychologinnen leisten mussten.

Nachdem ich nun selbst seit einigen Jahren die 50 überschritten habe, kann ich ein wenig ermessen, was diese Arbeit in den letzten Jahrzehnten ausgemacht hat.

Man geht sehr unbefangen an ein solches Unternehmen heran. Man ist jung und sieht das Ziel aber nicht die Stolpersteine. Im Laufe einer 50jährigen Karriere muss man aber genau diese Stolpersteine an so vielen Stellen überspringen.

Man würde gerne selbst gestalten und sieht sich auf einmal in einem Gestrüpp von Vorschriften, die es zu erfüllen gilt, wenn man dann überhaupt seine Arbeit aufnehmen will. Schulpsychologie ist eigentlich nicht fassbar. Sie verlangt von den Beteiligten, dass sie stets präsent, auf dem neuesten Stand und natürlich auch verfügbar sind. Schulpsychologen haben nach außen diesen wunderbaren Klang, dass sie alles richten könnten.

Sie, als Betroffene, wissen wahrscheinlich sofort, wovon ich rede.

Lehrerinnen und Lehrer holen sich Hilfe, weil sie gegenüber den heutigen Anforderungen aus den verschiedensten Gründen nicht gewappnet sind.

Eltern beknien Sie, weil Sie natürlich die einzig rettende Instanz sind, die endlich erkennt, dass das eigene Kind doch zu den brilliantesten und begabtesten Mitgliedern unserer Spezies Mensch gehören.

Manchmal, vielleicht eher verhalten, rufen auch einmal diejenigen, denen vor allem auch Ihre Arbeit gelten sollte, die Kinder, nach Hilfe. Manches Mal ist man dann da wohl ein wenig hilflos. Nicht etwa deshalb, weil Sie diese Hilfe nicht geben können, sondern, weil Sie in Ihrem Auftrag, der Psyche, der Seele des Menschen zu dienen, in Ihrer Zeit beschnitten sind.

Wir wissen inzwischen wohl hinreichend, dass unser heutiges Schulsystem sehr wohl erkennt, dass einiges im Argen liegt. Wir erkennen aber an manchen Stellen immer noch nicht, dass alles, was an Entwicklung in unseren Schulen in der Zukunft funktionieren muss, nur dann gelingen kann, wenn die um die es geht, nämlich unsere Kinder, hier auch Schritt halten können.

In all unseren, sicherlich teilweise auch vernünftigen Diskussionen, um das Bildungssystem der Zukunft vergessen wir all zu gerne die, um die es wirklich geht, unsere Kinder.

Für diese Kinder sind Sie da. Für ihre Seelen und auch für ihre Chancen, in der Zukunft bestehen zu können. Dies wird Ihnen nicht leicht gemacht. Wir bräuchten in Hessen wesentlich mehr Schulpsychologen. Eine lange Liste von Notwendigkeiten könnte ich an dieser Stelle anfügen. Dies möchte ich jedoch erst am heutigen Nachmittag gerne mit Ihnen diskutieren.

Bestehen bleibt allerdings, dass, und damit komme ich wieder zu meinem Anfang zurück, Sie nun mit Ihren stolzen 50 Jahren eine positive Bilanz ziehen müssten. 50 Jahre – das ist Erfolg, das ist Erreichtes, das ist das glückliche Gefühl, auch vieles richtig gemacht zu haben.

Sie als jeweils eigene Person haben sicherlich viel richtig gemacht, Sie haben sicherlich helfen können und unterstützen können.

Wenn ich mir jedoch so manches Mal ansehe, mit welcher fast unmenschlichen Kraftaufwendung Sie dieses erreichen mussten, bewundere ich Sie für Ihre Energie und Standhaftigkeit.

Wir wissen alle, dass die Probleme an Schulen über die Jahre sicherlich nicht weniger geworden sind. Wir haben heute auf Strukturen in unseren Schulen zu achten, die unsere Eltern noch nicht einmal gekannt haben. Wir haben eine andere Struktur in unseren Schulen, wir haben Eltern, die sich leider zu wenig um ihre Kinder kümmern und wir haben Lehrerinnen und Lehrer, die zunehmend ein burn-ount-Syndrom entwickeln, ohne den Ursachen in irgendeiner Weise näher zu kommen.

Dies bedeutet, wir bräuchten an unseren Schulen neben den stets geforderten und notwendigen Schulsozialarbeitern vor allem auch mehr Schulpsychologen, die sich dann auch einmal die Zeit nehmen können, auf Probleme wirklich einzugehen. Die nicht nur, aufgrund fehlender Zeit, Problemfelder anreißen können, sondern diese auch zum Ende bringen können.

Wir Deutschen werden gerne als besonders gewissenhaft dahingestellt. Diese Gewissenhaftigkeit geht aber oftmals mit einer ziemlichen Trägheit einher. Diese beiden Ausflüchte erklären wir dann gerne gegenseitig. Weil wir so gewissenhaft sind, sind wir auch etwas langsamer auf unserem Weg.
Weil wir etwas langsam sind, sind wir dann aber auch sehr gewissenhaft.

Nach meiner Erfahrung klafft bei den Schulpsychologen dieses Korrelat erheblich auseinander. Sie sind gewissenhaft und wären gerne schneller. Dazu fehlen Ihnen seit Jahren Stellen, Köpfe und Unterstützung von allen Seiten. Der schulpsychologische Dienst kämpft seit Jahren mit wachsenden Aufgaben und sinkender Unterstützung. Eigentlich können wir uns das in der heutigen Schullandschaft nicht mehr leisten.

Ich wünsche Ihnen deshalb heute nicht nur für die nächsten 50 Jahre, sondern für die Zukunft weiterhin das dicke Fell, dass sie wohl noch für lange Zeit brauchen werden.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie in Ihrer Energie bei allen Hemmnissen nicht nachlassen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie auch von Zeit zu Zeit ein kleines Dankeschön für Ihre Arbeit erhalten.

In 50 Jahren, wenn Sie dann Ihr 100jähriges Jubiläum feiern werden, wird es eine andere Vorsitzende des Landeselternbeirates geben. Ich wünsche mir, dass diese dann feststellen kann, dass all die Schwierigkeiten, die in den kommenden Jahren noch auf uns zukommen werden, in Hessen dadurch gelöst werden konnten, weil es hier einen schulpsychologischen Dienst gibt, der Menschen in Not helfen und unterstützen kann und ihnen auch eine Zukunft gibt.
Diese Zukunft wünsche ich Ihnen von Herzen.

Herzlichen Dank